Besuch der Urgroßeltern – Sechs entschleunigte Tage Manhattan (DE)

Am Hudson River Höhe 52. Straße legen in Manhattan die Kreuzfahrtschiffe an. Dort riecht es für eine Landratte wie mich immer ein bisschen nach Hamburg. Nach großer, weiter Welt. Und als wir dort letztens schlenderten erinnerte ich mich, dass es sogar ein bisschen nach Bremen riecht. Das brachte mich auf eine Idee.
In Bremen wohnen nämlich Bos Urgroßeltern. Bos Uropi ist früher zur See gefahren und mit einem Schiff kann man ihn und Uromi bestimmt über den Atlantik locken. Dachte ich. Die Idee löste bei den Urgroßeltern Begeisterung aus. Das Einzige, was Uropi gar nicht mag, sind „Musikdampfer“. So sagt ein Seebär zu Kreuzfahrtschiffen. Gegen Flugzeuge sei allerdings nichts einzuwenden.

Na dann los.
Aber: Was macht man sechs Tage mit den Urgroßeltern in New York? Was zeigt man? Was ist spannend, was ist machbar? Ein Plan musste her:

Tipps für sechs Tage mit den Urgroßeltern:

Tag 1.
Den Vormittag haben wir mit einem Bummel über die Highline und den Meatpacking District gestartet. Ist immer ein gute Idee, es gibt genügend Bänke um zu sitzen, man sieht unheimlich viel von der Stadt und im Gansevoort Market kann man nett essen.

Tag 2.
Weil man Urgroßeltern nicht mehr 20km am Tag im Dauermarsch durch eine Wuselmetropole schicken kann, haben wir uns am zweiten Tag für eine Bustour entschieden. Die meisten Busse bieten Uptown oder Downtown-Fahrten an. Wir haben uns für die Downtown-Runde entschieden. Und sind ca. 3 Stunden bei bestem Wetter und mit Kopfhörern in den Ohren vom Bryant Park an die Südspitze und zurück gefahren. Die Ansagen sind per GPS geogetagged und ersetzen den Reiseführer. Dafür sind sie auf deutsch (weil Urgroßeltern ja nur selten in der Schule mit Englisch großgeworden sind).

Wichtig: Ruhig mal aussteigen. Was essen. Mal Pipi machen. Die Busse fahren alle 20 Minuten und man bucht automatisch ein Tagesticket. Und darf jederzeit ein- und aussteigen (Hop on, hop off).
https://www.openloop-ny.com/de

Am frühen Abend sind wir zu einem Fußballspiel des New York City FC in der Bronx im (Neubau von 2009 des) altehrwürdigen Yankee Stadion gewesen. Dort spielen mit Andrea Pirlo, David Villa und Frank Lampard (ehemalige) Weltstars. Ein schöner Ausflugtipp, wenn man denn Fußball mag.
http://www.ticketsnow.com/new-york-city-fc-tickets/

Tag 3.
Am dritten Tag schuf Gott das trockene Land und die Pflanzen. Deswegen geht es am dritten Tag natürlich in den Central Park. Dort kann man vormittags der Rentner-Liga im Baseball zuschauen. Man kann guten New York Cheesecake essen (von Uromi natürlich kritisch mit dem eigenen Käsekuchen verglichen. Urteil: New York Cheesecake ist anders, aber auch sehr gut). Und im Park ist es endlich mal nicht so wuselig. Nicht so laut. Und nicht so betoniert. Und mit ein bisschen Charme haben wir den Baseball-Rentnern (es lief gerade der Klassiker New York Opis gegen New Jersey Opis – true story!) sogar noch einen Baseball abgequatscht. Der bekommt im Bremer Wohnzimmer jetzt einen Ehrenplatz.

Tag 4.
Da wir Manhattan nun schon mit U-Bahn, East River Ferry, Bus und zu Fuß besichtigt haben, kam nun weiteres Verkehrsmittel dazu: das Segelboot.

An den Chelsea Piers legen regelmäßig Boote zu kleinen Segeltörns ab. Wir haben die Sunset Tour auf dem Schoner Adirondack gebucht. Für 75 Dollar schipperten die drei Crewmitglieder uns und die ca. 40 anderen Gäste einmal zur Statue of Liberty und zurück. Dabei gab es drei Runden Getränke. Uropi schwörts auf Limo, Uromi probierte die Rotweine und der Rest die Biersorten durch (bloß nicht das Ale trinken, da schmeckt das Hudson River Wasser ja besser).
http://www.sail-nyc.com/browse-by-boat/schooner-adirondack/

Tag 5.
Am Wochenende gibt es überall in New York Märkte und Flohmärkte. Man kann bummeln und Schnäppchen jagen. Und außerdem ist die Atmosphäre einfach schön. Wir haben den Vormittag auf dem Hell’s Kitchen Flea Market verbracht.
http://www.timeout.com/newyork/shopping/best-flea-markets

Ich sollte vielleicht erwähnen, dass unsere Familie etwas fußballverückt ist. Wo ein Ball ist, ist mit Sicherheit einer meiner Jungs mit glänzenden Augen. Aus diesem Grund sind wir am Nachmittag in den Central Park gefahren. Über Meetup kann man sich immer informieren wo und wann gerade gespielt wird. Und für knapp 9 Dollar mitspielen.
http://www.meetup.com/de/

Tag 6.
Wir sind zum Empire State Building spaziert, haben uns auf der Aussichtsplattform im 86. Stock das letzte Mal alle zusammen New Yorker Wind um die Nase wedeln lassen und danach die Urgroßeltern mit Träne im Knopfloch in ein Uber zum Flughafen gesetzt.

Mein Fazit:
Es hat sich sehr gelohnt! Ich bin stolz, dass die Urgroßelties den Mut hatten, so lange zu fliegen. Dass sie es mitgemacht haben, nach all den Jahren mal wieder auf einer Matratze auf dem Boden zu schlafen. Dass sie unsere alten Aufziehwecker alle ganz präzise gestellt haben (Stichwort „Uhr-Großeltern“). Dass sie ihren Urenkel in seiner neuen Heimat besucht haben. Dass sie sich mit uns ein bisschen in diese Stadt verliebt haben. Und jetzt nicht nur Bilder kennen, sondern erlebt haben wie sich New York anfühlt.

Sie sind mit alten wunderbaren Geschichten gekommen und wir durften gemeinsam ein paar neue dazu packen. Ob es die kleine Zuckerdose ist, die Uromi auf dem Flohmarkt ergattert hat oder der Baseball aus dem Central Park – all das gehört uns zusammen und ein bisschen Zauber von New York ist mitgeflogen. Den ganzen langen Weg zurück nach Bremen.

Es war wunderbar euch hier zu haben. Danke.

Bildschirmfoto 2015-10-09 um 23.01.59

posted by Julia

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