Interview: Leaving New York. Supernovas Mama geht.

 

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In New York herrscht ständiges Kommen und Gehen. Fremde kommen und gehen irgendwann als Freunde wieder.

One of the hardest things about living in NYC is that this city is so transient. Hate when good friends move away… (Taza)

…Leaving New York never has anything to do with leaving New York, and everything to do with everything else. Even lifetime New Yorkers leave New York. They get out and they go back. New York in and of itself is a constant; New Yorkers are not.*

Während Meng und ich bei Victoria sitzen und wir etwas erschöpft und belustigt zuschauen wie die kleinen Monster das hübsche One Bedroom Appartment verwüsten, schiele ich schon auf die gestapelten Umzugskisten. Sie haben gepackt. Die Reise geht weiter und uns wird bei dem Gedanken ganz schwer ums Herz.

Vielleicht sitzen wir irgendwann an einem anderen Ort der Welt zusammen und schauen zu, wie unsere Kinder Chaos verbreiten. Aber wer weiß. Auf jeden Fall geht jetzt eine kleine Episode zu Ende, die wir alle sehr mochten.

Aber bevor wir Victoria und ihre kleine Familie gehen lassen, haben wir noch ein paar Fragen an sie:

Wie lange habt Ihr jetzt in der Stadt gelebt?
Victoria: Fast genau zwei Jahre. Anderthalb Monate fehlen uns, um die zwei Jahre voll zu machen. Es fühlt sich gleichzeitig wie eine Ewigkeit und ein Augenzwinkern an. Klingt immer nach Klischee – ist aber wirklich so.

Wo und wie habt ihr in den letzten 18 Monaten gewohnt?
Victoria: Wir haben großes Glück gehabt und das “Student Housing” der Columbia University bekommen. Und so durften wir ein schnuckeliges One Bedroom Apartment mit 50 Quadratmetern am oberen Ende der Upper West Side unser Eigen nennen.

Warum überhaupt New York?
Victoria: 2008 haben mein Mann und ich während unseres Studiums ein Auslandssemester in NYC verbracht. Das Semester ist viel zu schnell verflogen und wir wussten, dass wir irgendwann noch einmal für längere Zeit zurückkehren MÜSSEN. Als mein Mann von seinem Arbeitgeber die Möglichkeit einer zweijährigen Bildungsauszeit bekommen hat, stand schnell fest, dass es ein MBA in New York werden soll. Das Bewerbungsverfahren für den MBA war lang und aufregend und die Freude über die Zusage natürlich grenzenlos. Bei so einer Chance überlegt man natürlich nicht zwei Mal. Ich habe meinen Job bei Procter & Gamble gekündigt, wir haben fast unser gesamtes Hab und Gut verkauft, unsere Wohnung aufgelöst und ein paar Tage später saßen wir schon im Flieger.  

New York is as magical as they say, and I still can’t believe that it was really my life to walk the streets and know the people and claim little bits of that energy as my own.

Was bedeutet Dir die Stadt heute?
Victoria: New York ist für mich einfach die tollste, aufregendste und schönste Stadt der Welt. Die Energie ist ansteckend und those big lights WILL inspire you. Es ist eine Stadt der Extreme und vielleicht ist es das, was sie so besonders macht. Die Jahreszeiten sind extrem, die Menschen sind extrem, die Preise sind extrem und ein ganz normaler Tag ist nicht selten extrem aufregend. In New York haben wir die schönsten zwei Jahre unseres Lebens verbracht und hoffentlich wird sich die Stadt für immer genau so nach “zu Hause” anfühlen, wie in diesem Moment.

Du bist hier zum ersten Mal Mama geworden. Erzähl doch mal, wie hast Du das erlebt? Habt ihr euch vorbereitet? Was war Dir eine große Hilfe?
Victoria: Als wir umgezogen sind war ich bereits im vierten Monat schwanger, aber wir hatten keinerlei Vorbereitungen getroffen. Vor Ort haben wir uns dann einen Arzt gesucht und eine deutsche Doula engagiert (In den USA gibt es keine Hebammen und keinerlei Betreuung vor und nach der Geburt, abgesehen vom Hausarzt). Ich hatte aber wirklich nie Bedenken, das erste Kind fernab der Heimat zu bekommen und die gesamte Erfahrung vor, während und nach der Geburt war wunderbar herzlich und schön. Ich würde es sofort wieder genauso machen.

In New York, they say you’re always looking for a boyfriend, an apartment or a job… (Sex and the City)

Den Mann haste ja mitgebracht, das Apartment war schon vorher ausgesucht – wie lief das mit Deinem Job? Du hast Teilzeit bei Meetup (meetup.com) gearbeitet, einem hier sehr bekannten Start-Up. Hattet Ihr eine Nanny oder wie habt Ihr es organisiert?
Victoria: Als Nova ungefähr sechs Monate alt war, habe ich durch einen glücklichen Zufall von diesem tollen Teilzeit-Job bei Meetup erfahren (Teilzeit-Jobs sind hier eher selten). Mein Mann konnte seine Unikurse in zwei Tage pro Woche und einige Wochenenden quetschen, sodass ich drei volle Tage pro Woche arbeiten konnte. Zu Beginn haben die beiden mich noch jeden Tag in meiner Mittagspause in SoHo besucht und ich habe Nova gestillt. Das Ganze hat wunderbar funktioniert und ich habe die Tage im Büro unglaublich genossen, während Nova und Papa ein grandioses Team geworden sind. Ich bin super dankbar, dass wir diesen Luxus hatten, während meine amerikanischen Kolleginnen nach sechs Wochen(!) unbezahltem Mutterschaftsurlaub wieder Vollzeit arbeiten und ihr Kind einer Nanny oder Kita anvertrauen müssen.

Jetzt nach den 17 Monaten mit Supernova: New York mit Kind, Hopp oder Top?
Victoria: Ha! Die große Preisfrage. Ich glaube für die Kinder selbst, egal in welchem Alter, ist das Leben und Aufwachsen hier einfach nur grandios. Es gibt leider so viele Vorurteile gegenüber Kindererziehung in einer Großstadt wie New York, aber meiner Erfahrung nach stört es kein einziges Kind in einem winzigen Apartment zu leben, wenn es diese unglaubliche Vielfalt an Aktivitäten vor der Haustür hat. Übernachten im Museum of Natural History, mit der Ubahn zum Strand von Coney Island, ein Spielplatz an jeder Straßenecke, ein Park so groß wie Monaco direkt um die Ecke, viele Museen für Kinder, mehrere Zoos und und und… Es gibt einfach so unglaublich viel zu entdecken und zu erleben, dass es schlichtweg unmöglich ist, Langeweile zu haben. Für uns Eltern hat das aufregende Leben in New York allerdings auch einen sprichwörtlich hohen Preis. Selbst für kleinsten Wohnraum zahlt man horrende Summen und ein Kita Platz kostet gerne 2000-3000$ im Monat. Eine Waschmaschine ist in den meisten Apartments per Gesetz nicht erlaubt und für eine Spülmaschine ist häufig sowieso kein Platz. Es sind die kleinen Dinge und großen Preise die das Leben mit Kind hier auch ziemlich anstrengend werden lassen. Trotzdem ist das Abenteuer New York mit Kind jeden Dollar wert und ich rate jedem der die Möglichkeit hat: Go for it.  

Was sind Deine fünf Tipps für alle Mamas die frisch nach New York gezogen sind oder das gerade planen?

  1. Netzwerken, Netzwerken, Netzwerken. Die Mom/Parent-Communities in New York sind riesig und unglaublich offen und herzlich. Egal ob Meetup- oder Facebook-Gruppen, es gibt immer viele nette Playdates, Stroller Walks, Mommy Happy Hours, Picnics und Music Classes die es jedem super einfach machen, neue Leute kennenzulernen.
  2. Travel light. Die U-Bahn ist oft sehr voll und einen Aufzug gibt es nur an wenigen Stationen. Je kleiner und leichter der Kinderwagen desto besser. Wie ganz viele andere New Yorker auch, waren wir mit Nova die ersten sechs Monate fast ausschließlich mit der Trage unterwegs.
  3. Es gibt jede Woche wahnsinnig tolle Newsletter mit Family Aktivitäten fürs Wochenende von Red Tricycle und Mommy Poppins. Die Infos sind Gold wert.
  4. Um den Anschluss an die Heimat nicht zu verlieren – Mommy Mondays Manhattan (und vieles mehr) von Citykinder.
  5. Dein Smartphone ist dein bester Freund. In vielleicht keiner anderen Stadt ist es so einfach sich quasi ALLES innerhalb von einer Stunde an die Haustür liefern zu lassen. Amazon NOW, Google Express, Fresh Direct, Instacart, Postmates…Alle nervigen Besorgungen und Einkäufe kann man bequem vom Sofa aus erledigen.

…You can’t over-romanticize New York. New York is what it is, and all people, everywhere, have a love-hate relationship with the place. Some people love it more than other people hate it, but its glittery allure turns everyone’s eye at one point, even if it’s just on a movie screen or in a magazine picture.

Hast Du eine „Hassliebe“ zu New York entwickelt oder bist Du immer noch verliebt?
Victoria: An der berühmten “Hassliebe” der New Yorker ist bestimmt viel Wahrheit dran. An 29 Tagen des Monats bin ich unglaublich verliebt in New York, aber dann gibt es meist auch diesen einen Tag, an dem die Liebe nicht ganz so groß ist. Zum Beispiel wenn es in Strömen regnet und aus einer 20 Minuten U-Bahn Fahrt einfach so 90 Minuten werden, weil man auch nach zwei Jahren die dahingenuschelten Service Changes der Bahn nicht verstanden hat. Da stehe ich dann auf einmal mit quengeldem Kind im tiefsten Harlem und es ist kein Aufzug und kein Taxi (eines mit Kindersitz sowieso nicht) weit und breit zu sehen. An solchen Tagen wird die Liebe zu New York auf eine harte Probe gestellt.
Am nächsten Tag ist allerdings alles wieder vergessen, wenn man den menschenleeren Times Square im Morgengrauen sieht oder wildfremde Menschen dem weinenden Kind in der U-Bahn ein aufmunterndes Ständchen singen. Ganz große Liebe war es auch, als ich mir hochschwanger nachts um 3am noch warme Cookies nach Hause liefern lassen konnte, während ich aus dem Schlafzimmerfenster die ersten Schneeflocken auf den Broadway fallen sah. Hach, New York Moments…<3  

REM singt “Leaving New York, never easy”. Stimmt das?
Victoria: Definitiv never easy. Ich weiß jetzt schon, dass ich New York schrecklich vermissen werde – vor allem die offenen, herzlichen Menschen und die unglaubliche Kinderfreundlichkeit. Gleichzeitig freuen wir uns nach den zwei Jahren nun aber auch schon SEHR auf die Annehmlichkeiten des relaxten Lebens in Wien. Wir beide lieben einen häufigen Tapetenwechsel und anscheinend packt uns alle zwei Jahre einfach die Abenteuerlust.

Wie werdet ihr euch von New York verabschieden?
Victoria: Die Abschiedstournee ist bereits seit Wochen in vollem Gange und es werden fleißig To Do’s von der Bucket List abgehakt. Hier noch einmal essen, dort ein Museum anschauen und vor allem viel Zeit mit Freunden verbringen. Am letzten Abend sind Kühlschrank und Apartment hoffentlich leer und wir werden auf unseren Koffern sitzend, mit einem letzten Glas Champagner auf die zwei bislang besten Jahre unseres Lebens anstoßen.

Wie geht es jetzt bei euch weiter? Was kommt als nächstes? Und wo kann man Eure Geschichte weiterverfolgen? Schreibst Du darüber auf Deinem Blog ?
Victoria: Jetzt beginnt ein aufregendes, neues Kapitel in Wien. Wien mit Kind wird eine völlig neue Erfahrung für uns und das Leben wird sicherlich ein vollkommen anderes sein, als noch vor ein paar Jahren als Student. Ich arbeite das erste Mal im Home Office für Meetup und Nova darf endlich in die Kita. Mein Mann wird beruflich wieder viel reisen und wir können viel einfacher Zeit mit der Familie in Deutschland verbringen. Mit ein bisschen mehr Routine und Alltag wird hoffentlich auch auf victorypug.com wieder mehr los sein ;)

…But there is something different about leaving and not knowing when you’ll be back again. Two days ago, I watched the city grow smaller and smaller, and foggier and foggier. I felt all of the little pieces of New York that are in me floating around and stinging with the friction of being pulled away, felt as though I was being bled and leaving a trail behind the car that kept us painfully connected somehow.

Geht Ihr auch, um wiederzukommen?
Victoria: Wir haben uns in New York unglaublich wohl gefühlt und eine Rückkehr ist definitiv nicht ausgeschlossen, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Vielleicht in 5, 10 oder 15 Jahren, wer weiß das schon…

Was aus New York nimmst Du für Dich mit?
Victoria: Eine Tochter und einen Berg Schulden. Kidding. Sort of ;)
Ich bin viel entspannter geworden. Hier läuft nie etwas nach Plan, niemand ist pünktlich und es kommt immer anders als man denkt. New York hat mir auch gezeigt, wie toll es ist, wenn Mütter sich gegenseitig unvoreingenommen unterstützen. Ich habe hier nie einen “gut gemeinten” Erziehungsratschlag bekommen und egal ob Ferber Methode oder Co-Sleeping, es wird sich immer mit viel Respekt und Verständnis begegnet. Das ist soviel schöner als “ich mein ja nur” und “wird man ja wohl noch sagen dürfen”.

Wirst Du etwas vermissen, wenn Du nicht mehr hier bist?
Victoria: Oh Gott, da weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll. Die Menschen! Absolute Bagels! Die Öffnungszeiten! Das geordnete Schlangestehen! Kale! Die Tütenpacker im Supermarkt! Die Gospel-Opa’s in der Ubahn! Central Park! Trader Joe’s! Nie Bargeld zu benötigen! Kein Auto zu brauchen! Mac’n’Cheese! Unseren Doorman! Keine Päckchen bei der Post abholen zu müssen! Mit Kind fast immer einen Sitzplatz angeboten zu bekommen! Ramen! Columbus Circle! Korea Town! Whole Foods und wahrscheinlich 1.657.326 andere Dinge…

Now I’m on the road and I’m in my element, but I’ll never be the same with all the little pieces of New York in me, with the hope that maybe New York is a little bit changed, with a piece of me in it. Which is to say, you never really leave New York.

Danke liebe Victoria, dass Du Dir zwischen all den Umzugskisten die Zeit für uns genommen hast. Ihr werdet uns fehlen.

 

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*http://blog.latonyayvette.com/2016/02/to-leave-new-york.html?m=1

posted by Jule

Key Lime Poundcake (DE)

Der Frühling ist da und Kuchen ist immer eine gute Gelegenheit um uns den Tag zu versüßen. Hier ein neues Lieblingsrezept aus NYC. Sieht aus wie Zitronenkuchen schmeckt aber besser- ein Key Lime Poundcake. Er wird mit Limetten und Frischkäse gemacht und ist ein super schneller und easy Rührteigkuchen.

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Rezept:

Teig:
220g Weiche Butter
115g Frischkäse
300g Xylyt/Birkenzucker
4 Eier
240g glutenfreies Mehl
2 TL Backpulver
2 EL Limettenschale
1 EL Limettensaft

Ofen auf 150 Grad vorheizen.
Zutaten zu einem Teig verrühren und in eine befettete und bemehlte Kastenform geben.
Danach für ca. 1 Stunde backen. Sollte der Kuchen zu schnell braun werden einfach mit Alufolie abdecken und fertigbacken.

Kuchen anschließend etwas auskühlen lassen bis er sich leicht aus der Form löst.

Topping:
200g Frischkäse
60ml Limettensaft
230g Puderzucker
Limettenschale zum bestreuen

Topping nach Belieben über den Kuchen verteilen und mit Limettenschalen bestreuen.

Erfrischende Abwechlung an warmen Frühlingstagen

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posted by Marlene