Snowmageddon in New York. Eine Weltstadt wird zum Skiort (DE).

Seit einigen Monaten mache ich mir Gedanken, wie man in New York den Winter überstehen soll. Gut, ich komm ja aus Berlin und bin einiges an Minus-Temperaturen gewohnt. Aber die Berichte der New Yorker ließen erahnen, dass dieser Winter nicht wie die 27 davor sein würden.

War er dann auch nicht. Es war der wärmste Winter ever. T-Shirt Wetter an Heiligabend (die Hamburger sagen dazu „Sommer“).

Und jetzt? Alles umsonst? Die ganzen warmen Jacken, schneefesten Stiefel, die Wollpullis, die Schals, die Thermosocken? Nein. Das Fernsehen sagt seit einer Woche: Jonas kommt.

Jonas ist der Name des Blizzards, der den ersten Schnee des Jahres an die Ostküste bringen soll. Perfekt abgestimmt auf die Arbeitswoche kommt Jonas in der Nacht von Freitag auf Samstag. Blizzard-Wochenende!

Wir haben also noch ein bisschen Zeit, um uns vorzubereiten.
Als Erstes: Hamstereinkäufe. Im Supermarkt steht der Typ mit dem „End of the Line“-Schild direkt am Eingang. Die Schlange windet sich einmal durch den Supermarkt. Thanksgiving-Verhältnisse. In der Schlange stehend lerne ich eine wichtige Lektion von einer echten New Yorker Lady: beim Hamsterkauf niemals zugeben, dass man hamstert.

„Also ICH kauf ja nur ganz normal ein. Schau sie dir an, die drehen alle durch, wegen ein paar Inches Schnee.“

Nächste Station: Schlittenkaufen.
Im K-Mart finde ich eine flache rote Plastikschale, die für die ersten Tage genügen sollte. Genügend Platz, um das ganze Jahr lang einen massiven Holzschlitten zu lagern hat hier sowieso niemand.

Ab nach Hause. Nächster Punkt auf der To Do-Liste: Fenster abdichten. Ich lege alle möglichen Handtücher davor, damit der Wind nicht so doll hinein pfeifen kann. (New Yorker sind es übrigens gewohnt, dass ihre Heizung zentralgesteuert wird. Heißt: kein Thermostat, keinerlei Einfluss auf warm oder kalt. Einziges Mittel gegen eine bollernde Heizung? Fenster auf!)

Und dann kommt Jonas.
Pünktlich am Samstag Morgen um 2am fängt es langsam an zu schneien und hört dann den gesamten Samstag nicht mehr auf. Auf einmal herrscht in dieser Stadt Ausnahmezustand, den man so eigentlich nicht für möglich gehalten hätte.

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Die Stadt, die niemals still steht, steht still.

Manhattan versinkt im Schnee, die Straßen sind leer. Einige Geschäfte kämpfen noch bis 4pm, aber weil eh keiner kommt, schließen dann auch die letzten.

Über das Warnsystem der Stadt geht eine SMS an alle Handies raus, dass ab 2:30pm außer Polizei, Krankenwagen und Feuerwehr keine Fahrzeuge mehr auf den Straßen fahren dürfen. Die Doormänner schippen rund um die Uhr.

Eine Weltstadt wird zum Skiort. „Tatütata-New York“ ist auf einmal ganz leise.

Wir testen den Plastikschlitten (gar nicht mal so schlecht) und ziehen mit wenigen mutigen Fußgängern und Skifahrern durch die Straßen. Und auf den kleinen Hügeln im Central Park wird parallel die Rodelsaison eröffnet.

Ich mag Blizzard-Wochenenden.

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Den Gürtel weiter schnallen. Friendsgiving in NYC (DE)

Sieben Monate in New York und schon hab ich zwei neue Feste gelernt. Zugegeben, Halloween kannte ich schon ein bisschen aus Deutschland. Thanksgiving aber war neu. Und ganz wunderbar. Es ist ein bisschen wie die Generalprobe für Weihnachten. Mit Truthahn. Und ich hatte ehrlicherweise keine Ahnung, was ein echtes Thanksgiving Dinner in den USA wirklich ausmacht.

Deswegen hier meine kleine Zutatenliste:

Zutat 1:
Eine handvoll Freunde. Wer wie wir seine Familie nicht in den USA hat, feiert „Friendsgiving“. Und zack ist das Haus voller Freunde und alle schnippeln, köcheln und stoßen an.

Zutat 2:
Ein Truthahn. Schon seit Wochen kann man in Manhattan in allen Supermärkten tiefgefrorene Truthähne in allen Größen und Sorten (kosher, nicht kosher, grass-fed, dick, dünn, glücklich, nicht so wirklich glücklich, aber dafür supergünstig usw.) finden. Wir haben unseren Vogel (für das gute Gewissen) bei einem Fleischer im West Village bestellt, der ausschließlich organic turkeys liefert.

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Zutat 3:
Zeit. An diesem letzten Donnerstag im November steht alles still. Was wir nur von den Weihnachtsfeiertagen kennen, wird nun auch an Thanksgiving durchgezogen: alles hat zu, keiner arbeitet, alle feiern. Keine Ausreden. Kein „ich würd ja gern, aber ich muss noch soooo viel…“. An Thanksgiving lässt das ganze Land für einen Tag den Stift fallen. Und am darauffolgenden Black Friday wird es dafür umso heftiger, wenn alle Geschäfte mit Rabatten die Weihnachtszeit einläuten.

Zutat 4:
Weite Hosen. Nach Süsskartoffel-Brokkolisuppe, Truthahn, Süsskartoffeln, Bohnen, Cranberriesauce, Mashed Potatos, Bananenbrot, Vanillekipferl und  Macarons geht die enge highwaist Jeans zumindest für eine Nacht nicht mehr zu.

„Thanksgiving, man. Not a good day to be my pants.“ (Kevin James)

 

 

posted by Jule